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Pressenotiz vom März 2009

Pressenotiz zu den Aktivitäten der Trachtengruppe vom März 2009.

Pressenotiz vom Mai 2009

Pressenotiz zu 225 Jahre Stadtmusik Überlingen

Pressenotiz vom Juni 2009

Pressemitteilung zur Mainau Melodie am Sonntag, 12. Juli 2009 und Rückblick auf Seefelden
 

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Totentanz in Bild und Text



Der Totentanz ist ein bildlich-literarisch- (musikalisches) Phänomen, das am Ende des 14. Jahrhunderts in Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen vermehrt aufkam und sich mit seinen makaber anmutenden Motiven über die Reformation und das Barockzeitalter hinaus bis in die Moderne erhalten hat.
Vermutlich durch die verheerenden Pestepidemien seit der Mitte des 14. Jahrhunderts beeinflusst, sollte in drastischen und eindrücklichen Bildern und unverblümten Texten den Menschen die Vergänglichkeit alles Irdischen deutlich vor Augen geführt werden (z.B. Niklaus Manuel "Der Tod und das Mädchen", 1517). Bewusst wurden dabei alle Stände, Geschlechter und Altersgruppen ohne Unterschied abgebildet und vom Tod "gleichgemacht". Oft kam eine Darstellung des Jüngsten Gerichtes hinzu, die unmissverständlich darauf hinweisen sollte, das Leben in rechten Bahnen und gottesfürchtig zu bestreiten, da es endlich und der "Tanz mit dem Tod" zeitlich nicht vorhersehbar ist.
Vermutlich wurden die ersten Totentänze von Mönchen zur Belehrung und Erbauung in lateinischer Sprache verfasst. Selten wurden dabei auch Noten mit überliefert (Llibre Vermell, 14. Jh.). Danach folgten lateinisch-deutsche Mischtexte, deutsche (bzw. andere nationalsprachliche) Monologe und schließlich deutsche Texte, bei denen der Tod mit den Ständevertretern in Dialog tritt. Letztere sind die meisten uns heute noch bekannten Totentänze.
Totentänze finden/fanden sich vielfach als Freskenmalereien an Kirchen (Marienkirche in Lübeck, 14 63, verbrannt in einer Bombennacht 1942) und Friedhöfen sowie Brücken (Spreuerbrücke in Luzern, ca. 1626). Einer der berühmtesten Zyklen ist sicher der Basler Totentanz aus dem Jahre 1439 (zerstört) Ende des 15. Jahrhunderts tauchten Totentänze auch als Drucke in Büchern auf.
Den Gläubigen, die meistens die lateinische Predigt nicht verstanden, geschweige denn lesen konnten, sollte mit den Totentanzdarstellungen in eindringlicher, sehr plastischer Art und Weise vermittelt werden: "Memento mori et carpe diem" – "Gedenke des Todes und nütze den Tag". Denn täglich war und ist mit dem Tod zu rechnen. Und ohne Buße und Sündenbekenntnis zu sterben, war ein furchtbarer Gedanke. (z.B. Niklaus Manuel, aus "Berner Totentanz", "Der Tod spricht zu der Keyserin und der Künigung")
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Totentanz einerseits gerne zum Gegenstand angenehmer Unterhaltung in Laterna magica und Schauspiel gemacht ( Johann Schichtl "Programmzettel" 1870er). Doch das 19. entdeckte ihn auch wieder für Kunst (Edvard Munch: Das Mädchen und der Tod "1894"), Gesellschaftskritik und auch politische Meinungsbildung. So bezieht Alfred Rethels "Todtentanz aus dem Jahre 1848" Stellung gegen die Revolution, Karikaturen wie die von Honore Daumiers "Der Alptraum von Herrn Bismarck – Merci" wurden veröffentlicht.
Im dritten Reich wurde die Kunst auch unter dem Titel Totentanz (Richard Schwazkopf "Deutsche Passion – Totentanz") zu Propagandazwecken missbraucht. Hierbei tritt der Tod personifiziert, z.B. als "rote Pest" (Kommunist) auf. Anders als in den ursprünglichen Totentänzen, sollte hier allerdings "das Leben" triumphieren – was sich als fataler Irrtum herausstellte.
Weitaus glaubwürdiger erscheint da ein Totentanzzyklus von Robert Budzinski aus dem Jahre 1924, in dem eine Frau mit der Kraft der Weiblichkeit den Tod besiegt, da sie als Gebärerin zukünftige Generationen hervorbringt.
Zu den bekanntesten Totentanz-Zyklen des 20. Jahrhunderts gehören zweifellos die um 1966 entstandenen Schnitte von HAP Grieshaber, die sich in ihrer Motivwahl am Basler Totentanz orientieren.
Das Thema Totentanz verliert bis in die heutige Zeit nicht an Faszination, sondern scheint im Gegenteil vermehrt auch auf junge Leute einen großen Reiz auszuüben. Daher sind bei intensiverer Suche und Auseinandersetzung mit der Thematik zahlreiche Interpretationen und Zeugnisse aktuell in Kunst, Musik, Film, Dramen, Magazinen, Worldwide web und Computerspielen zu finden.
Damit zieht sich seit den ersten uns überlieferten Zeugnissen bis heute ein roter Faden durch das Thema Totentanz: den Totentanz gibt es nicht. Er tauchte und taucht in Text, Bild, Kunst, Musik, Medien etc. mit vielen Gesichtern und in vielen Interpretationen auf – immer aber aktuell und am Puls der jeweiligen Zeit seines Entstehens!

Totentanz in der Musik
Seit der Renaissance um 1600 tritt das Totentanzthema immer wieder auch in der Musik auf: z.B. "Mattasin", ein Totentanz von August Nörmiger aus dem Jahre 1598, zahlreiche Balladen wie "Schnitter Tod" ( M: Jakob Balde, T: nach einem fliegenden Blatt aus dem Jahre 1638 ). Durch die Jahrhunderte wird dieses Thema neu interpretiert. Berühmte Beispiele dafür sind in der Romantik (Franz Schubert: "Der Tod und das Mädchen" aus "Winterreise") und Moderne (C. St. Saens: "danse macabre") oder (Hugo Distler: "Totentanz für Chormusik") zu finden. Aber auch die zeitgenössische Musikszene beschäftigt sich zum Beispiel im so genannten "Gothic"- Genre auf ihre Weise mit der Thematik.

Der Tod als Spielmann
In vielen Totentänzen wird der Tod als Spielmann dargestellt, der einen Tanzreigen anführt. Charakteristische Instrumente sind dabei Dudelsack, Flöte, Schalmei, Busine, Platerspiel und Fanfare, die allgemein auch dem fahrenden, geächteten Volk zugeschrieben und als Teufelswerk angesehen wurden. Oft spielt der Tod auch die Geige – ebenfalls als Instrument des Teufels angesehen.

Intentionen
Ganz in der Tradition der bekannten Totentanz-Bilderzyklen wollen wir eine eigene Interpretation eines Totentanz-Reigens lebendig werden lassen. In der Thematik und der Motivwahl in den Ursprüngen verwurzelt, wollen wir - unserer Zeit entsprechend – einen Bilderzyklus erstehen lassen, der auf ganz vielfältige Art dazu einlädt, sich auf dieses große Thema unseres Lebens einzulassen.
Die Mitglieder der „Arbeitsgruppe Totentanz“ und Akteure des "szenischen Reigens" gehören unterschiedlichster Altersgruppen an und haben verschiedenste Interessen und Intentionen. So ist auch ihre Arbeit eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema, bei der jeder und jede unterschiedliche Bedeutungsschwerpunkte setzt.
Es entsteht damit ein Bilderzyklus, der die verschiedensten Kunstformen, Medien, Interpretationen und Ausführungen als Mittel des Ausdruckes nutzt. Und doch verbindet ein Reigen alle Elemente und Darstellungsformen zu einem in sich geschlossenen Ganzen und schließt sie zusammen wie eine Kette, die aus gleichwertigen Gliedern oder Perlen besteht.
Wenn die Arbeitsgruppe Totentanz auch beim Ausstellungsbesucher/in, beim Leser/in und Zuschauer/in des szenischen Reigens Anstöße zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema geben kann, ist dies die gewünschte Anerkennung für ihre Aktivitäten


Quellenverzeichnis
Seckel, Knud: „Elend des Lebens und Schönheit der Kunst. Der Tod tanzt mit den Lebenden“ In: Geschichtsmagazin pax et gaudium Nr. 21, 1/06.

Moltmann Jürgen, Sundermeier Theo: „Totentänze. Tanz des Lebens“. Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main 2006.

Wunderlich, Uli: „Der Tanz in den Tod. Totentänze vom Mittelalter bis zur Gegenwart.“ Eulen Verlag, Freiburg, 2001.

Mirjam Boonekamp-WalliserMiBoWa(at)web(dot)de